Wer Ende November zum ersten Mal durch Manhattan läuft, kann leicht den Eindruck bekommen, Weihnachten sei hier über Nacht ausgebrochen. Gestern noch ganz normaler New Yorker Herbst, und plötzlich hängen Lichter über den Straßen, Schaufenster leuchten, vor dem Rockefeller Center stehen Menschen mit Kameras und irgendwo spielt bereits jemand „All I Want for Christmas Is You“. Ganz so plötzlich passiert es allerdings nicht.
Die Weihnachtsstimmung baut sich in New York über mehrere Wochen auf. Einige Geschäfte beginnen bereits Anfang November mit der Dekoration, andere warten bewusst bis nach Thanksgiving. Die großen Bilder, die man aus Filmen kennt – der Weihnachtsbaum am Rockefeller Center, die Schaufenster an der Fifth Avenue, die festlich beleuchteten Straßen von Midtown – entstehen also nicht alle gleichzeitig. Genau das macht die Zeit vor Weihnachten interessant: Je nach Reisetermin erlebt man eine etwas andere Version der Stadt.
Wenn ich New York für eine Weihnachtsreise planen würde, würde ich deshalb nicht einfach nur fragen: „Ist New York dann schon geschmückt?“ Entscheidend ist vielmehr, welche Weihnachtsdekoration man sehen möchte und wie vollständig die Stadt bereits in Weihnachtsstimmung ist.
Nach Thanksgiving verändert sich das Stadtbild spürbar
Der wichtigste Orientierungspunkt ist Thanksgiving. Der Feiertag fällt in den USA auf den vierten Donnerstag im November und markiert für viele New Yorker den eigentlichen Übergang in die Weihnachtssaison. Zwar stehen die ersten Bäume, Lichter und Schaufenster längst vorher, doch nach Thanksgiving fühlt sich die Stadt deutlich weihnachtlicher an.
Das lässt sich besonders gut in Midtown beobachten. Vor Thanksgiving sieht man dort bereits festliche Schaufenster und einzelne Dekorationen, aber noch mischt sich alles mit der normalen Herbststimmung. Nach dem Feiertag kommen Weihnachtsmärkte, Beleuchtung, große Tannenbäume und die typischen Menschenmengen hinzu. Auch die Schaufenster der großen Kaufhäuser wirken dann nicht mehr wie eine einzelne Aktion, sondern wie Teil eines gemeinsamen saisonalen Bildes.
Für Reisende bedeutet das: Ende November beginnt die eigentliche Weihnachtszeit in New York, während Anfang Dezember normalerweise schon sehr viel von dem zu sehen ist, was man sich unter einem weihnachtlichen New York vorstellt. Wer möglichst viele der klassischen Motive erleben möchte, liegt mit den ersten Dezemberwochen meist richtig.
Der Rockefeller-Weihnachtsbaum ist eine Sache für sich
Kein anderes Symbol steht so sehr für Weihnachten in New York wie der Weihnachtsbaum am Rockefeller Center. Dabei sollte man zwei Dinge auseinanderhalten: Der Baum steht nicht erst am Abend der offiziellen Beleuchtung dort. Er wird bereits vorher aufgestellt und geschmückt. Die große Aufmerksamkeit entsteht rund um die traditionelle Lighting Ceremony, die normalerweise Ende November oder Anfang Dezember stattfindet.
Genau diese Zeit ist für viele Besucher etwas verwirrend. Man kann bereits einen großen Weihnachtsbaum am Rockefeller Center sehen, obwohl die offizielle Beleuchtung noch bevorsteht. Wer also beispielsweise Ende November in New York ist, muss nicht automatisch auf den berühmten Baum verzichten. Es kann lediglich sein, dass die offizielle Zeremonie noch nicht stattgefunden hat.
Die Atmosphäre rund um das Rockefeller Center ist außerdem zu unterschiedlichen Tageszeiten erstaunlich verschieden. Am frühen Morgen wirkt der Platz fast überraschend ruhig. Später am Nachmittag kommen die Besuchergruppen, Fotografen und Menschen hinzu, die nach Feierabend kurz stehen bleiben. Nach Einbruch der Dunkelheit sieht der Baum natürlich am eindrucksvollsten aus, gleichzeitig ist dann auch am meisten los.
Ich würde den Besuch deshalb nicht nur als Fotostopp betrachten. Wenn man ein paar Minuten stehen bleibt, merkt man erst, wie sehr der Baum in das alltägliche Leben der Stadt eingebaut ist. Menschen gehen mit Einkaufstüten vorbei, Taxis fahren über die Sixth Avenue, aus den Gebäuden strömen Büroangestellte – und mitten darin steht dieses riesige Stück Weihnachtskulisse.
Die Fifth Avenue beginnt schon vorher mit Weihnachten
Wer wissen möchte, wann New York wirklich festlich aussieht, sollte nicht ausschließlich auf den Rockefeller-Baum schauen. Die Fifth Avenue ist dafür fast noch interessanter, weil die großen Kaufhäuser ihre Schaufenster bereits vor der offiziellen Baumbeleuchtung in Szene setzen.
Besonders bekannt sind die Weihnachtsfenster von Saks Fifth Avenue. Die Gestaltung wechselt jedes Jahr und wird bewusst als großes saisonales Ereignis inszeniert. Rund um die Abendstunden bildet sich vor dem Gebäude häufig eine kleine Menschenmenge, denn die Fassade wird zusätzlich mit Lichtinstallationen bespielt. Direkt gegenüber liegt das Rockefeller Center, sodass sich beide Sehenswürdigkeiten problemlos miteinander verbinden lassen.
Auch andere große Geschäfte entlang der Fifth Avenue dekorieren ihre Fassaden und Schaufenster. Dazu kommen kleinere Läden, Hotels und Restaurants, die ihre Eingänge mit Tannenzweigen, Lichterketten und Kränzen schmücken. Dadurch entsteht kein einzelner Weihnachtsort, sondern ein langer Spaziergang, bei dem sich die Dekoration immer wieder verändert.
Wer Anfang November kommt, kann davon bereits einiges sehen. Wer Mitte Dezember unterwegs ist, erlebt dagegen die Fifth Avenue in ihrer vollständigen Weihnachtsversion – allerdings auch mit entsprechend vielen Menschen.
Dyker Heights: eine ganz andere Art von Weihnachten
Manhattan ist nicht der einzige Ort, an dem New York zur Weihnachtszeit spektakulär aussieht. In Brooklyn liegt Dyker Heights, ein Wohnviertel, das für seine teilweise extrem üppig dekorierten Häuser bekannt ist. Hier geht es nicht um elegante Schaufenster oder dezente Beleuchtung. Manche Grundstücke verwandeln sich regelrecht in private Weihnachtswelten.
Die Dekoration beginnt dort nicht bei allen Häusern am selben Tag. Nach Thanksgiving nimmt die Zahl der beleuchteten Häuser jedoch normalerweise deutlich zu. Besonders in den ersten Dezemberwochen lohnt sich ein Besuch, wenn man diese spezielle Seite von New York erleben möchte.
Was mir an Dyker Heights gefällt, ist der Unterschied zu Midtown. In Manhattan wird Weihnachten von großen Kaufhäusern, Hotels und bekannten Sehenswürdigkeiten inszeniert. In Dyker Heights steht dagegen das Wohnviertel selbst im Mittelpunkt. Zwischen den beleuchteten Häusern laufen Familien mit Kindern, Besucher fotografieren Vorgärten und an manchen Stellen verkaufen lokale Anbieter warme Getränke oder kleine Snacks.
Man sollte allerdings nicht erwarten, dort ein stilles Weihnachtsidyll vorzufinden. Gerade an den bekannten Straßen kann es am Abend ziemlich voll werden. Die beste Stimmung entsteht oft dann, wenn man nicht nur das spektakulärste Haus sucht, sondern einfach ein Stück durch die dekorierten Straßen läuft.
Weihnachtsmärkte und Bryant Park: Hier beginnt die Saison besonders früh
Wer schon vor Thanksgiving in New York ist, muss ebenfalls nicht auf Weihnachtsstimmung verzichten. Der Winter Village am Bryant Park gehört zu den Orten, an denen die Saison relativ früh beginnt. Die Stände öffnen gewöhnlich bereits im Herbst, während der große Weihnachtsbaum und die Beleuchtung den Platz nach und nach stärker in Richtung Weihnachten verändern.
Das ist eine interessante Zwischenphase. Tagsüber kann es noch erstaunlich mild sein, die Bäume haben teilweise noch Herbstfarben, und trotzdem stehen zwischen den Hochhäusern bereits kleine Marktstände mit Geschenkideen, Essen und winterlichen Getränken. Genau diese Mischung finde ich oft reizvoller als ein vollständig dekoriertes New York Mitte Dezember.
Auch Union Square und andere saisonale Märkte können schon vor dem eigentlichen Höhepunkt der Weihnachtszeit geöffnet sein. Wer früh reist, erlebt deshalb nicht „kein Weihnachten“, sondern eher eine Stadt, die sich langsam darauf vorbereitet.
Ab wann lohnt sich eine Reise für Weihnachtsfans?
Die Antwort hängt stark davon ab, wie wichtig einem die großen Klassiker sind. Für eine Reise Anfang November würde ich keine vollständige Weihnachtskulisse erwarten. Einzelne Schaufenster, Märkte und Dekorationen können bereits vorhanden sein, aber die Stadt wirkt noch deutlich nach Herbst.
Die Zeit nach Thanksgiving ist der entscheidende Übergang. Ende November kann bereits sehr viel dekoriert sein, wobei einzelne Höhepunkte noch auf ihre offizielle Eröffnung warten. Anfang Dezember wird es zuverlässiger: Die großen Weihnachtsattraktionen sind normalerweise sichtbar, die Beleuchtung nimmt zu und die Stadt fühlt sich zunehmend nach Advent an.
Mitte Dezember ist schließlich kaum noch zu übersehen, dass Weihnachten bevorsteht. Gleichzeitig sollte man sich bewusst sein, dass die bekanntesten Orte dann nicht nur schön, sondern auch sehr voll sind. Rund um Rockefeller Center, Fifth Avenue und die großen Kaufhäuser kann das Tempo des Spaziergangs deutlich langsamer werden.
Für mich liegt deshalb ein besonderer Reiz in der Zeit zwischen Ende November und den ersten Dezembertagen. New York ist dann schon festlich, aber die Saison fühlt sich noch nicht ganz so selbstverständlich an. Man entdeckt die Dekoration noch mit etwas mehr Neugier, statt sie nur zwischen zwei überfüllten Straßen über sich hinwegziehen zu lassen.
So würde ich die Weihnachtsdekoration an einem Tag miteinander verbinden
Wer nur wenig Zeit hat, kann einen ganzen Weihnachtsnachmittag und -abend zu Fuß gestalten. Ich würde am Bryant Park beginnen und mich langsam Richtung Fifth Avenue bewegen. Von dort geht es vorbei an den großen Kaufhäusern zum Rockefeller Center. Gerade am späten Nachmittag ist dieser Weg schön, weil sich die Dämmerung langsam über Manhattan legt und die Beleuchtung immer stärker auffällt.
Danach kann man weiter Richtung Central Park laufen. Die Strecke muss nicht vollständig zu Fuß zurückgelegt werden; die Subway ist in New York schließlich Teil des Erlebnisses. Interessant ist vor allem, wie sich die Stimmung verändert: Zwischen den riesigen Kaufhäusern und Bürogebäuden von Midtown wirkt die Weihnachtsdekoration sehr inszeniert, während sie in den Wohnvierteln deutlich persönlicher und manchmal überraschend zurückhaltend ausfällt.
Für Dyker Heights würde ich einen eigenen Abend einplanen. Das Viertel liegt nicht gerade um die Ecke von Rockefeller Center, und es wäre schade, den Besuch zwischen zwei andere Sehenswürdigkeiten zu quetschen. Dort geht es weniger darum, möglichst viele Punkte auf einer Liste abzuhaken, sondern durch die Straßen zu gehen und die unterschiedlichen Dekorationen auf sich wirken zu lassen.
Was viele bei der Planung übersehen
Ein kleiner, aber wichtiger Punkt ist das Wetter. New York kann im November noch angenehm herbstlich sein, während es Anfang oder Mitte Dezember bereits richtig kalt werden kann. Gerade bei einer Weihnachtstour merkt man das, weil man viel draußen steht: vor Schaufenstern, an Kreuzungen, am Rockefeller Center oder beim Warten auf einen guten Blick auf die Beleuchtung.
Auch die Uhrzeit macht einen überraschend großen Unterschied. Weihnachtsdekoration bei Tageslicht ist nur die halbe Geschichte. Viele Fassaden und Bäume wirken erst nach Einbruch der Dunkelheit so, wie man sie von Bildern kennt. Gleichzeitig beginnt dann die Hauptzeit der Besucher. Wer beides miteinander verbinden möchte, kann den Spaziergang im späten Nachmittag beginnen und die wichtigsten beleuchteten Orte nach Sonnenuntergang erreichen.
Und noch etwas: Man sollte nicht versuchen, an einem Abend jedes berühmte Weihnachtsmotiv mitzunehmen. New York ist gerade zur Weihnachtszeit eine Stadt, in der die kleinen Szenen oft besser funktionieren als der nächste Pflicht-Fotostopp. Ein beleuchteter Hauseingang in einem Wohnviertel, ein geschmücktes Hotel oder ein kleiner Laden mit einer handgemachten Dekoration kann länger in Erinnerung bleiben als das hundertste Foto vom Rockefeller Center.
Der richtige Zeitpunkt ist vielleicht weniger eindeutig, als man denkt
Die kurze Antwort auf die Frage „Ab wann ist New York weihnachtlich geschmückt?“ lautet also: erste Dekorationen gibt es bereits Anfang November, richtig weihnachtlich wird die Stadt aber vor allem rund um Thanksgiving und in den ersten Dezemberwochen. Die großen Höhepunkte verteilen sich auf mehrere Termine, weshalb sich das Stadtbild nicht an einem einzigen Tag verändert.
Wenn ich einem Reisenden nur einen Zeitraum nennen müsste, wäre es die Zeit von Ende November bis Mitte Dezember. Dann sind die klassischen Weihnachtsorte in der Regel sichtbar, die Märkte laufen und die Stadt hat dieses besondere Leuchten, das man mit New York im Dezember verbindet. Wer dagegen die offiziellen Eröffnungen, die größte Dichte an Dekoration und die komplette Weihnachtskulisse erleben möchte, sollte sich eher an den ersten Dezemberwochen orientieren.
Vielleicht ist aber gerade diese allmähliche Veränderung das Schönste an der New Yorker Weihnacht. Die Stadt schaltet nicht einfach einen Weihnachtsmodus ein. Sie wird Schritt für Schritt festlicher: erst ein beleuchtetes Schaufenster, dann ein Baum, ein paar Tage später Lichter über einer Straße und schließlich die großen Plätze, an denen plötzlich jeder stehen bleibt. Wenn man ein wenig Zeit mitbringt, kann man diesen Wandel tatsächlich beobachten. Und irgendwann merkt man, dass nicht mehr die Frage im Kopf ist, ob New York schon weihnachtlich geschmückt ist – sondern dass die Stadt es längst geschafft hat, einen selbst in diese Stimmung hineinzuziehen.
Verwendete Bilder: Magnific (https://www.magnific.com)
Eine neue Stadt lässt sich nicht nur über Sehenswürdigkeiten entdecken. Spannender sind versteckte Ecken, ungewöhnliche Viertel, lokale Besonderheiten und all das, was erst auf den zweiten Blick auffällt.
